Konstantin Sotnikov - Bastard

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Der aus Russland stammende Hamburger Künstler Konstantin Sotnikov zeigt vom 08. bis zum 28. Januar 2012 in seiner zweiten Einzelausstellung bei Feinkunst Krüger, die erste in den neuen Räumen, seine neuesten Arbeiten.

Zur Vernissage am Samstag, den 07. Januar 2012 ab 20.00 Uhr, laden wir herzlich ein.

Eine sanfte Hügellandschaft, darüber die weichen Blauschattierungen eines Himmels zwischen Tag und Dämmerung. Die Idylle, die Konstantin Sotnikov in zart verlaufenden Tönen hervorruft, wird sofort wieder ausgehebelt. Denn sie bildet den trügerisch verträumten Hintergrund für eine höchst bizarre Gestalt im Profil: eine Kreuzung aus dornengekrönter Jesus-Figur, stilisiertem Ritter, Pop-Karikatur und ins Groteske gesteigertem Ungeheuer, halb Mensch, halb Tier. Das Monströse, Hybride, Widersinnige sind grundsätzliche Störfaktoren im surrealen Kosmos des 1979 in Kirowo-Tschepezk geborenen, in Hamburg lebenden Künstlers, der nach Absolvierung einer akademischen Ausbildung in Russland ein weiteres Diplom an der Hamburger Hochschule für bildende Künste bei Werner Büttner erwarb.

In seiner rätselhaft-beunruhigenden Malerei sowie in seinen neuen grotesken Skulpturen verknüpft Sotnikov Bildelemente aus verschiedenen Epochen, Kulturen, Stilrichtungen in einem collageartigen Remix-Verfahren. So klingen in seinen Arbeiten die opulenten spätmittelalterlichen Horrorspektakel von Hieronymus Bosch ebenso an wie die statischen Heiligenbildnisse der Ikonenmalerei. Barocke Cupidos durchfliegen ein goldschimmerndes Firmament, während Sankt Georg auf knallig rotem geflügeltem Pferd über einem höllenartigen Abgrund schwebt. Über ihm prangt als aktueller Verweis der in der Sternschanzen-Nachbarschaft des Künstlers in Form von Aufklebern gefundene Spruch „daft punk“ neben selbst erfundenen Comic- und weiteren Monster-Motiven Bosch’scher Machart.

Sotnikov spannt mit magischer Virtuosität einen Bogen zwischen der hintergründigen Malerei des Mittelalters und den Untiefen unserer heutigen medial durchdrungenen Realität. Seine Kompositionen oszillieren zwischen höchster Präzision und wüster Expressivität. In seinen jüngsten dreidimensionalen Arbeiten setzt Sotnikov die transkulturellen, transtemporalen Verwandlungen und Remix-Strategien seiner Malerei nun auch plastisch ein. Dabei mutieren Fundstücke vom Flohmarkt, darunter süddeutsche Heiligenfiguren oder afrikanische Schnitzreliefs, zu eigenständigen Wesen und Ansichten, in denen das Ungeheuerliche und das Anmutige, Schrecken und Komik ineinander greifen. Es sind phantasmagorische (Alb) Traumszenarien, aus denen Tod und Zerstörung, aber auch ungestüme Vitalität hervorbrechen, ein schräger Humor immer wieder aufglimmt. Konstantin Sotnikov ist kein Kulturkritiker im expliziten Sinn, sondern ein genauer Beobachter an der schillernden Marge zwischen den Welten und Wirklichkeiten. Von diesem fluktuierenden Terrain aus setzt er die Tücken unserer haltlosen, reizüberfluteten, undurch-sichtigen Zeit in einer Ästhetik des Disparaten verstörend, abgründig, vielschichtig und mit strahlend leuchtender Farbkraft ins Bild. 
                  
Belinda Grace Gardner