Hold the Line

Klaus Waschk, Ellen Sturm, Gesa Lange, Eiko Borcherding, Heiko Müller, Christian Hahn und Jan Köchermann

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Vom 05. bis zum 25. Februar 2012 zeigt Feinkunst Krüger eine Gruppenausstellung der besonderen Art. Klaus Waschk, ehemals Professor an der HAW Hamburg, bat 6 ehemalige Studenten mit ihm gemeinsam auszustellen. Mittlerweile sind einige dieser Ehemaligen selbst Professoren und geben, genau wie Waschk es getan hat, ihr Wissen weiter.

Zur Vernissage am Samstag, den 04. Februar ab 20.00 Uhr, in Anwesenheit der Künstler und mit Musik von Patrick Pagels und Freunden, laden wir herzlich ein.

Klaus Waschk:
Nein, Feinkunst Krüger hängt jetzt nicht in irgendeiner Warteschleife im medialen Betriebssystem. Im Gegenteil, die Galerie zeigt Beharrlichkeit, Nachhaltigkeit im betrachtenswerten Angebot künstlerischer Positionen und anderer Merkwürdigkeiten.
Die Ausstellung ‚Hold the Line’ präsentiert aktuell in besonderer Weise solche hidden lines, Querverbindungen:  Nach fast 25 Jahren als Hochschullehrer zeigt sich Klaus Waschk hier umstellt von Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten bei ihm (mehr oder weniger ordentlich und anhaltend) studiert haben. Da er im Wesentlichen für die künstlerische Grundlagenausbildung zuständig war, für eine solide individuelle Humusbildung, war er auf die weitere Entwicklung neugierig.

Klaus Waschk zeichnet immer - und als Lehrer, der auch gern darüber geredet hat, war er damit vielleicht auch ansteckend. Das Zeichnen ist für ihn ‚von höchstem Interesse, indem man das Wunder sieht, dass der ganze Geist unmittelbar in die Fertigkeit der Hand übergeht, ...(Hegel). Geist und viel Ungeist findet er in der Anhäufung von Menschen, die er etwas verzogen und schräg, gemein und grotesk, beziehungsreich und eigentlich freundlich gemeint zeigt. Und vor allem die ästhetische Dichte der Blätter kann dann das wohl Versöhnende sein.
In seiner Lehre interessierte ihn ein offener, experimenteller Umgang mit allem Unangepasstem, der Versuch, durch Befremden Klischees und Gewohnheiten zu kippen, gestalterischen Eigensinn mit Intensität und Qualität zu ermöglichen und zu ermutigen. Es hat offensichtlich genützt. Die sechs Kunstmenschen hier sind ausgeprägt eigenwillig, von unablässiger Neugier, Arbeits- und Differenzierungswut und immer etwas seltsam und wunderbar.

Ellen Sturm wölbt in ihrer figürlichen Plastik fast klassisch ruhig vor allem Weibliches. Frauen stehen da, sitzen, halten das eine oder andere Tier – und auch wenn sie mächtig im Raum glucken, so behalten sie doch oft etwas Verlegenes, unheroisch Verwundertes. Das nimmt ihnen den Nimbus und macht sie umso sympathischer.

Gesa Lange besetzt zeichnend den Raum. Die gezeichnete Fläche wird kubisch, faltet sich in die Tiefe, aber Haus, Schuppen, Baumhütte bleiben Zeichnung, die  dabei Mittel für Nachforschungen in der Erinnerung an Orte der Kindheit ist – und so transportiert sie auch intensiv jene Poesie rückblickender Umschau und manchmal erstaunter Selbstversicherung.

Eiko Borcherding kratzt und schabt und ziseliert sich in seinen Zeichnungen an merkwürdige Naturteile heran. Er folgt akribisch Verästelungen, Blattwerk, schrundigen Oberflächen – oder seltsam symmetrisch gedoppelten Tierköpfen, die fast emblematisch wirken. Er nutzt zufällige grafische Reize, delikate Verfärbungen, um die surreale Skurrilität seiner Wunderkammern noch wirklich unwirklicher und endgültig zu entkitschen.

Heiko Müller treibt diese befremdliche Arbeit mit merkwürdigen Unwesen in anheimelnden Waldszenen noch weiter. Frisch und frei gemalt, dann detailliert zugespitzt erglüht das ehedem harmlos zutrauliche Rehkitz von innen heraus, hartschnäblige Vogelköpfe besetzen Landschaften bedrohlich – und das magisch wabernde Licht um unheimliche Fantasy-Nachbarn könnte beunruhigend sein, wenn es nicht bei genauerem Hinsehen durch skriptural zwitschernde Einwürfe ironisch konterkariert würde.

Die großen Bilder Christian Hahns erscheinen gegenüber den eher irrealen Bildwelten bei  Müller und Borcherding sehr präsent nah, stark in Farben und klar in Formen, kubisch verdichtet in Bildräume hinein entwickelt, die Tiefe antäuschen und raffiniert wieder Fläche werden, ästhetisch sublim und in der Wirkung streng und kühl. Aber merkwürdig sind auch hier die figürlichen Protagonisten, lost in space, die recht sinnlos in Rahmen, Parcoursstangen u.a. herumklettern, sehr begrenzte Ausschau halten und im Astronautenlook eher Geometrie als erzählende Sinnsuche betreiben.

Jan Köchermann hat in seinen großen räumlichen Objekten, Schächten, Tunneln die Besucher oft real und beängstigend an Ränder, an Abgründe gelockt. In den kleinen hier fast beiläufig inszenierten Räumen im Modellformat konzentriert er ähnlich intensiv Anmutungen von Leere,von Verlassenem. In Versatzstücken, Resten, Projektionen, Erinnerungsflimmern wird so sehr auf Gewesenes verwiesen, auf Abgängiges und Abgänger, dass ein Vorstellungskino beginnt, das nicht weniger intensiv befremdlich und abgründig werden und wirken kann.

So sechsfach umstellt mit solch deutlichen, charaktervollen künstlerischen Positionen ist der alte Lehrer ein wenig stolz, nicht weil er den einen oder anderen Strich, den er selbst gemacht hätte, dort wiederfindet, sondern weil diese Kunstmenschen mit Ernst und Intensität, mit Verwunderung und Beständigkeit drangeblieben sind, ihre Sicht zu zeigen, ihre Erfahrungen weiter zu geben. Alle (bis auf Köchermann) lehren sie heute selbst unter den neuen Dächern der Finkenau in eben diesen Grundlagen.

Vielleicht zeigt diese Ausstellung auch, wie hervorragend sie fundiert sind – und selbst wunderbar fundieren können. Ihre Intensität und differenzierende Breite, gibt erst jenen Humus, von dem selbst die Anwender, die oft nur an Effektivität orientierten Hochschulbürokraten und ihre Designvasallen, gedeihlich profitieren könnten, wenn sie nicht in Routinen befangen die ‚Freien’ als Mägde und Knechte in den Hochschulrängen diskriminierten. Die „Kunst ist das Herzstück“ (C.Vogel), wenn’s denn so bewundernswert gut werden soll.  Also: HOLD THE LINE