Tilman Hornig, Martin Mannig, Kai Hügel, Paul Barsch und Bernd Imminger

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Vom 07. bis zum 28. April 2012 sind in einer Gruppenausstellung Werke der fünf Dresdener Künstler Tilman Hornig, Martin Mannig, Kai Hügel, Paul Barsch und Bernd Imminger zu sehen. Drei der  Künstler zeigen ihre Arbeiten dabei erstmals in Hamburg.

Zur Vernissage am Samstag, den 07. April ab 20.00 Uhr, in Anwesenheit der Künstler, laden wir herzlich ein.

Am Eröffnungsabend wird es einen geführten Rundgang zwischen den benachbarten Galerien Feinkunst Krüger und Heliumcowboy (in der die Debütausstellung von ADAMEVA stattfinden wird) geben. Ab 23.00 findet dann im ebenfalls benachbarten Magazin (Teilfeld 8) eine Aftershowparty mit Musik von Jessica Tomorrow statt.

Feinkunst Krüger hat die befreundeten Dresdner Künstler eingeladen eine Ausstellung in den Galerieräumen zu konzipieren. Was genau dabei heraus kommt ist noch offen und wird im Prozess des Aufbaus entstehen. Klar ist bisher nur, dass es Werke aus den verschiedensten Medien zu sehen geben wird. Malerei, Zeichnungen, Objekte, Film und installative Momente. Die Künstler kennen sich zum Teil seit vielen Jahren und haben in unterschiedlichen Konstellationen zusammen gearbeitet. In der jetzigen allerdings noch nicht, welches das Projekt umso spannender werden lässt.

Hier einige Anmerkungen zu den Arbeitsweisen der einzelnen Künstler:

Tilman Hornig experimentiert bei seinen Werkgruppen mit verschiedenen Stoffen und Materialien. In Verbindung mit einem bestimmten Thema entstehen dabei Arbeiten, bei denen jedes einzelne dieser Elemente von Bedeutung ist und mit den anderen symbiotisch, sich gegenseitig beeinflussend, funktioniert. Gegenständen, die kaputt, vertrocknet, oder demoliert sind, Dinge, denen man einen bestimmten Prozess ansieht, werden mit leuchtenden Farben in seiner Hinterglasmalerei neue Bildinhalte verliehen. Abnutzung, Gebrauch, Zerstörung und Veralterung verleiht den Farben eine neue Brillanz. Es sind Momentaufnahmen seiner Geschichten. Sie ergeben sich aus Erinnerung und Alltag, aber auch aus der Inspiration fiktiver Storys. Manchmal werden die verschiedenen Materialien vom Künstler selbst einem solchen Prozess unterzogen. Sie werden gefaltet, gebogen, zerschnitten, bemalt oder ihnen wird wieder etwas Farbe weggenommen. Durch das Material entsteht eine gewisse Spannung, die er festzuhalten versucht. Die durch die Faltung neu gewonnenen Formen werden mit Sprühfarbe bemalt und schaffen im Endprodukt eine Abstraktion von Graffiti und Sci-fi.

Martin Mannig’s Protagonisten entstammen der Märchenwelt, dem Comic, der Volkskunst oder der Popkultur, um nur einige seiner Bezüge zu nennen. Die bereits besetzten Figuren schaffen eine Atmosphäre des Narrativen, doch bleibt es oft bei der erzählerischen Anleihe. Mannig ist kein Erzähler. Vielmehr scheint er zu hinterfragen, wie es sich in seiner Welt mit bestimmten Einordnungen und Kategorien verhält, zum Beispiel dem Guten und dem Bösen. Auf den ersten Blick bilden Mannigs Protagonisten die Antithese zu ihrer traditionellen Darstellung. Doch Vorsicht ist geboten. Mannig befreit die Figuren nicht aus ihren eindimensionalen Rollen um ihnen dann ebenso einseitig das „Böse“ zuzuschreiben, seine Figuren zeichnen sich durch Ambivalenz aus. Den braven Puppen setzt er einen Totenkopf auf, der vormals geschlechtslose Teddy ist freudig erregt. Das Pin-Up-Girl wird durch eine abstoßende Fratze entstellt und mittels eines Heiligenscheins vollends aus dem Gleichgewicht gebracht. Mannigs Protagonisten lösen Vorstellungen aus, die gegensätzlich sind und dennoch nebeneinander bestehen. Sein Anliegen ist es, jedwedem Dogmatismus zu entrinnen und erweiterte Räume zu schaffen, in denen das Hässliche sich ebenso als das Unschuldige herausstellen kann, wie sich das Gute in etwas Abstruses zu verwandeln vermochte.

Kai Hügel entwickelt seine Arbeiten meist auf der Grundlage gefundener Objekte, die er je nach Farbigkeit und Materialität entsprechend kombiniert und ergänzt. Holzabfälle, ausrangierte und zerbrochene Skateboards lenken den Blick auf Material und Oberfläche. Dabei spielen Ruhe und Bewegung eine ebenso große Rolle wie Charakter und Form. Ihren Ausdruck finden die Kompositionen in teils figürlichen, teils abstrakten Objekten. Die augenscheinliche Diskrepanz der beiden Objektarten wird zum einen durch ihr Material zum andern durch ihren erzählerischen Hintergrund wieder aufgelöst.

Paul Barsch bietet das reichhaltige Reservoir an Einflüssen und Eindrücken, dass die Popkultur in atemberaubender Fülle liefert, das Material und den Fokus für seine künstlerische Arbeit. Gesammeltes Bildmaterial aus Fanzines, Zeitschriften, Online-Message Boards und Suchmaschinen wird zum Ausgangspunkt seiner Bildfindungsprozesse. Dabei experimentiert er mit unterschiedlichen Materialien und Techniken immer mit Blick auf eine bestimmte Herangehensweise oder Attitüde und schafft so Malereien, Zeichnungen, Collagen, Installationen und Fotografien in meist parallelen Arbeitsprozessen. Indem er den Kontext der Werksentstehung und die eigene Biografie konsequent den Präsentationsformen hinzu zitiert und teilweise sogar zum Haupteindruck werden lässt, schafft er Ruheflächen im Durcheinander seiner Beschäftigungen. Immer wieder gibt es Bezüge zur Hoch- und Popkultur, zur Kunstgeschichte und zur eigenen Verankerung im subkulturellen Kontext.
In jüngsten Arbeiten löst sich Paul Barsch mehr und mehr von darstellenden Inhalten und verschiebt bei gleich bleibender Arbeitsweise seinen Fokus auf die methodischen/konzeptuellen Aspekte seiner Arbeit. Seine Vinylbilder aus zerschnittenen Schallplatten spielen mit den Seh- und Hörgewohnheiten des Betrachters. Der ästhetische Reiz der Bildobjekte steht im Kontrast zu den nicht mehr abrufbaren Klängen und der sichtbaren radikalen Zerstörung der Klangträger.

Bernd Imminger’s Papierarbeiten, die mit aufgesprühter schwarzer Tusche bemalt oder zum Teil komplett in Lack und Öl getränkt sind, befinden sich in Rahmen hinter einer komplexen Anordnung aus Polyesterfolien und zum Teil geätzten Gläsern. Die Ästhetik des Vagen, Ungreifbaren im Geheimnis, zwischen den als Filter verwendeten Polyesterfolien verborgenen, hält sich die Waage mit dem Naiven und Unmittelbaren. Die durch diese so genannten Filter in seine einzelnen Punkte zerlegte Malerei oszilliert mit dem Hermetischen der dargestellten Szenen, dadurch wird eine Abkehr von jeglichem Realismus spürbar. Nicht das einzelne Bild oder dessen Inhalt sind das Ziel, sondern die Suche nach immer neuen malerischen Systemen; deren Grenzen zu finden und auszuloten. Die Form verändert den Inhalt nur insofern, dass ein elementares Erlebnis des Geistigen kurz greifbar wird und sofort wieder in den zahlreichen Metaebenen verschwindet. Die eigentliche Frage, die sich stellt, wird in der Negation des Gewollten aufgehoben und jeglicher Gestik beraubt. Durch diese ständige Täuschung entsteht ein leerer und kalter Look des Unerklärbaren und Unerlebten.

3 x Kunst in der Neustadt