Unter Butter

Vom 08.06. bis zum 30.06.2012 stellen, die in Hamburg studierten Künstler/innen, diceindustries, Gitte Jabs , Mark Matthes, Holger Pohl, Lukasz Chrobok und Roland Doil gemeinsam bei Feinkunst Krüger aus. Ihre Werke  kommen aus den Medien Malerei, Collage, Objekt und Installation.

Zur Vernissage am Freitag, den 08. Juni 2012 ab 20.00 Uhr, laden wir herzlich ein.

Der dadaistische Impuls, einen alltäglichen und sinnfreien Begriff auf den Prüfstand der vernünftigen Unkritik zu schicken, entlarvt Margarine als Unterbutter. Dabei stand einer ernsthaften Diskussion nichts im Wege.
Bei eingehender Betrachtung ist die Vielschichtigkeit, subversive Deutbarkeit und kunstafine Auslegbarkeit von Margarine unglaublich. Fett ist überall, Gepanscht wird Überall, Gelogen wird überall, Gewonnen wird Überall. Der wortgalante Sprung zur Unterbutter oder zu Unter Butter folgt der authentischen und unverfälschten Sicht auf die Dinge.
Diese Sicht verbindet die Künstler/innen diceindustries, Gitte Jabs, Mark Matthes, Holger Pohl, Lukasz Chrobok und Roland Doil. In ihrer Gruppenausstellung UNTER BUTTER zeigen sie, was ECHT bleibt, wenn allerorts SURROGIERTES verkauft wird.

Von Margarine (Arbeitstitel) zu Unter Butter (Essenz).
Der mimikrianzügliche Versuch aus Scheisse zu Geld zu machen (billige, gehärtete Pflanzenfette als gesünderen leckereren Sauerrahm-Butterersatz zu verkaufen) ist dem gewinnorientierten Denken folgend zur Eroberung der Marktes avanciert: Er wird dabei flankiert vom Süßstoff und allen andern Surrogaten.
Mit dem epigonalen Impuls besser zu sein als das Original, hat Margarine den besonderen, haptischen Beigeschmack, der jedem ernsthaften Künstler das Wasser im Mund zusammen-fließen lässt. Die Welt, die Schöpfung, das ganze Sein ist zwar das Maß aber nicht dessen Ende. Ich habe zwar nicht die bessere Lösung, aber meine sieht besser aus. Erwiderte der Gigant des flämischen Barock auf dem Sterbebett dem beiwohnenden Pfaffen. Außerdem ist dieses Fett eine kaiserlich angeordnete  Erfindung, um ein kriegsbedingtes Problem zu lösen und damit bester Science Fiction.

In dem fettigen Glanz dieser Unterbutter, spiegelt sich unsere billige Realität wider und entzerrt sich in den Wülsten der Creme zu der ernüchterndem Wahrheit: Alles ist genauso schlimm, wie wir es scheinheilig albträumen.

Eine direkte Umsetzung mit Margarine stand bei der Vorbereitung zu der gemeinsamen Ausstellung daher im Hintergrund. Eine Mauer aus Margarine Bausteinen muss nicht sein. Kann aber. Muss aber nicht. Kann. Es wird die Übersetzung des Margarine Gedankens in 6 Varianten und Untermischungen angeboten.

Gedanken:

Kopieren, Ernähren, Sparen, Mischen, Fetten, Backen, Unterhalten, Unterwandern, Lügen, Verführen, Erobern, Ausdünnen, Ersetzen

diceindustries' Collagen bedienen sich der Zeichensprache der ideosynkratischen Linienwelt aus Malbuch oder Comicheft. Diese Elemente ihrer narrativen Funktionen beraubt, oszillieren zwischen Figuration und Abstraktion. Die Strukturen scheinen vertraut, ihre Bedeutungen verlieren sich allerdings in der Gesamtheit des Bildes. Es sind verwischte Spuren popkultureller Einflüsse und mediokrer Bilderwelten die uns seit Kindesbeinen an verfolgen.. Es ist nicht das Bild das auf diesen Arbeiten dekonstruiert wird, sondern seine Lesbarkeit.

Gitte Jabs beschäftigt sich mit der Phänomenologie der Bildsubstanz und der grundsätzlichen Materialisierung vom erweiterten Bildraum im populären Kontext. Sie arbeitet prinzipiell intermedial und universell und negiert die Grenzen der disziplinären Kategorisierung kategorisch. Auch duale Denkmodelle wie Realität und Virtualität, Kunst und Leben sind nach Ansicht der Künstlerin im zeitgenössischen Diskurs nicht länger haltbar. Alle Räume sind relativ. Die durch die mediale Machbarkeit stattfindende Gleichzeitigkeit des täglichen Bildraumes degeneriert alle formalen Wände. Die Quellen ihrer Inspiration bezieht Gitte Jabs aus dem urbanen Feld der alltäglichen Wahrnehmung sowie aus der immateriellen Gedankenwelt einer vernetzen Gesellschaft.

Die Arbeitsweise von Lukasz Chrobok wird verständlich durch eine Gliederung der Arbeiten in Werkgruppen. Der so deutliche Wechsel zwischen Techniken und Medien, vordergründig sprunghaft, hat seinen Sinn in der Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen und dem Bedürfnis zu einer Idee eine adäquate künstlerische Umsetzung zu finden. So entstehen Serien von Gemälden oder Objekten, Installationen oder Videos und gliedern sich nach Themen in Werkgruppen. Einige sind abgeschlossen, andere haben ein offenes Ende und werden kontinuierlich ergänzt. Er stellt mit seinen Arbeiten unterschwellig die Frage nach dem Verhältnis von künstlerischer Idee und ihrer Umsetzung. Der zu einer Idee gewählte, künstlerische Prozess bleibt bewusst transparent, und nachvollziehbar. Das Feld seiner Arbeiten umfasst alltägliche Momente unserer Gesellschaft, die in einem Spiel aus Ironie, Überspitzung und Simulation aufgeschlüsselt werden, um wahlweise eine kritische Betrachtung möglich zu machen oder um rein unterhaltsam zu sein.

Auf dem ersten Blick erinnern Roland Doils Arbeiten an Graffiti, wie sie an jeder Straßenecke gefunden werden kann,... die Wand wird zum Spielball der Farben und Formen. Auf dem zweiten Blick allerdings erkennt man den Unterschied. Die Bilder sind nicht in einem Stück aufgemalt oder gesprüht, sondern modular aufgebaut, aus verschiedenen Motiven zusammengesetzt, die wiederum auf einem flexiblen, dünnen Untergrund gemalt und ausgeschnitten sind. Diese Bildstücke verdichten sich zu einem Ganzen indem sie übereinander, ineinander oder ganz verschachtelt aufgehängt werden, so dass das Bild aus der Summe seiner Teile besteht, die alleine betrachtet nicht der Rede wert wären.

Holger Pohl sagt, er "mache die nächsten Bilder aller Zeiten" und das "am liebsten gerne".

Basis von Mark Matthes' Kunst sind die, wie Hajo Schiff es treffend formuliert, "Phänomene der Informationsüberlagerungen und der stadträumlichen 
Schichtungen von Formen".
Dabei überlagern sich geometrisch klar verlaufende Linien und sanfte Formübergänge, stehen architektonische Fragmente malerischen Additionen oder reale Bildzonen abstrakten Partien gegenüber. Mit diesen "synästhetischen Stadtporträts" entwickelt der Künstler vor und hinter seinem durchsichtigen Bildträger aus Glas beziehungsweise Acrylglas eine Traumlandschaft aus Versatzstücken unseres alltäglichen Lebens.