Moorende Bauernfrühstück

Vom 10. bis zum 30. März 2013 lädt Dieter Glasmacher sieben seiner ehemaligen Studenten ein, gemeinsam mit ihm, bei Feinkunst Krüger auszustellen. Dies ist das zweite Mal, dass ein ehemaliger Professor der HAW Hamburg ein solches Experiment wagt. Bereits im vergangenen Jahr lud Klaus Waschk sechs seiner Ehemaligen zu einer gemeinsamen Ausstellung ein. Mit Erfolg, wie man hinterher feststellen konnte.

Folgende Künstler/innen sind eingeladen: Jessica Halm, Lisa Herfeldt, Gesa Lange, Till Gerhard, Henning Kles, Elmar Lause und Jörn Stahlschmidt.

Zur Vernissage am Samstag, den 09. März ab 20.00 Uhr, in Anwesenheit der Künstler/innen, laden wir herzlich ein.

In der Ausstellung präsentieren die Künstler neue Arbeiten und es wird spannend zu sehen, ob und welche Spuren der Unterricht Glasmachers in ihren Werken hinterlassen hat. Glasmacher unterrichtete alle in dem Medium der Malerei, in unterschiedlichen Zeiträumen und von unterschiedlicher Dauer. Mittlerweile haben seine Studenten Karriere gemacht, bewegen sich erfolgreich auf dem internationalen Kunstparkett, sind selbst Professoren oder Lehrbeauftragte und haben weltweit ausgestellt.

Anbei einige Worte zu jedem einzelnen Künstler und deren Arbeitsweise, ausführlichere Infos, Vitae oder Ausstellungslisten sende ich bei Bedarf gerne zu.

Dieter Glasmacher, 1940 in Krefeld geboren, lebt in der Nähe von Hamburg. Beeinflusst von der klassischen Moderne, gerade dem Dadaismus, und Strömungen zeitgenössischer Kunst wie Art Brut und Pop Art, hat Glasmacher in vielen Schaffensjahren eine sehr eigenständige Position und eine lebendige, originelle Bildwelt entwickelt. Auch Comic- und Graffitikunst sind in den Arbeiten sichtbar, ebenso wie die „Geheimspuren“ des öffentlichen Raums, Worte und Kritzeleien, wie man sie in Pissoirs, an Bushaltestellen oder Häuserwänden findet. Die Vorstellung einer Wandfläche ist von zentraler Bedeutung: So kommen seine Arbeiten meistens ohne große Perspektive aus. Untergrund, montierte Gegenstände, Schriften und Figuren stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dieses additive Verfahren erlaubt eine große Freiheit und einen enormen Assoziationsreichtum – beim Malen und beim Betrachten. "Ein Bild ist nie fertig und sollte immer weiter malbar sein", sagt Glasmacher, so wie auch an Pissoir- oder Häuserwänden ständige Veränderung möglich ist, durch Ergänzung und Übermalung.

Jessica Halm, 1977 in Hamburg geboren, lebt in Hamburg Die Malerei ist Halms Medium. Die Collagen und plastischen Arbeiten, die ausgelöst durch ihre Malerei entstehen, sind für Halm eine Möglichkeit, den zweidimensionalen Träger Leinwand als physisches Gegenüber zu erweitern und der Malerei einen realen Raum einnehmenden Körper zu geben. Das Körperliche ist inhaltlich, aber auch beim Malprozess für Halm ein wichtiges Element. Das Thema von Projektion, Macht, Beeinflussung und der sich daraus ergebenden Position/Rolle ist ein roter Faden, der sich durch Halms bisher entstandene Arbeiten zieht.

Lisa Herfeldt, 1976 in München geboren, lebt in Berlin. Herfeldt übermalt antiquarische Plakate fast komplett. Es handelt sich um Filmplakate, die nicht mehr als diese zu erkennen sind. Einzig die Falzlinien, die sich durch die matt lackierte Oberfläche abzeichnen, weisen auf den Ursprung des Trägermaterials hin. Die Farbe ist an einigen Stellen ausgespart, Teile, oft merkwürdige Fragmente, des Plakates scheinen wie freigelegt, es entstehen abstrakte Bilder in monochromer Farbigkeit. Manche sehr grafisch, auf anderen schweben kuriose Formen, die noch an Körper erinnern, wie schwerelos im Format, dann wiederum gibt es starre Rahmen oder amüsante Kompositionen. Allen Werken gemeinsam, auch wenn sie im Format variieren, ist ihr objekthafter Charakter, der nicht zuletzt durch die Aluminiumrahmen entsteht, in denen die Ex-Plakate wie Ankündigungen zu Filmvorführungen hängen, diesmal jedoch ohne jegliche Information preiszugeben.

Gesa Lange, 1972 in Tongeren, Belgien geboren, lebt in Hamburg. Lange arbeitet mit menschenleeren Räumen und Zuständen, die zwischen unterschiedlichen Zeitpunkten entstehen und sich jeglicher Greifbarkeit versuchen zu entziehen. Die ehemalige Wichtigkeit und Nutzbarkeit der vergessenen und verwaisten Orte wird auf eine immer noch existierende Gültigkeit überprüft. Genauso wird der Grad der herrschenden Gleichgültigkeit untersucht, der einer Neudefinition des Zustandes unterschiedliche Hürden stellt. In Zeichnungen und Installationen erschafft sie detailreiche Welten, in denen persönliche Erinnerungen als neu geschaffene Wirklichkeiten behauptet werden.

Till Gerhard, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Hamburg. Gerhard studierte an der Muthesius Hochschule für Gestaltung in Kiel und an der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Hamburg. Seine Arbeiten knüpfen an die Neoromantik an, oft scheinen sie surreale Reminiszenzen an Hippie- und 68er-Welten zu sein, an esoterische oder alternative Lebensformen. "Stets sind es doppelgesichtige Szenarien die verführerisch und aufklärerisch zugleich eine bifokale Deutbarkeit, ein Einerseits und Andrerseits, thematisieren", schreibt der Kunstwissenschaftler Gunnar F. Gerlach. Einzelausstellungen in Hamburg, Ahrensburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Oslo, Helsinki, Gstaad, New York, Stockholm und Madrid sowie diverse Gruppenausstellungen.
Text: Christoph Twickel

Henning Kles, 1970 in Hamburg geboren, lebt in Hamburg. Kles studierte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fachbereich Gestaltung sowie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Werner Büttner (Diplom 2005). Er verwendet oft Bitumen als Grundlage für die Farbgebung - ein Material dass im Straßenbau oder Baugewerbe Verwendung findet. In Kles Arbeiten erzeugt es Farbvarianten von dunkelbraun bis tiefschwarz. In jüngerer Zeit verbindet er Bitumen und Acryl - ein Übereinanderlegen von feinsten transparenten, Abstraktion und Figuration vereinigenden Farbschichten. Dem Beschwören einer geheimnisvollen Schattenwelt folgt der Schritt in Richtung einer dunkel getönten, zugleich ins Lichte weisenden Weltaneignung. Einzelausstellungen u.a. in Hamburg, Berlin, Lübeck, Zürich und Los Angeles; Teilnahme an diversen Gruppenausstellungen.
Text: Christoph Twickel

Elmar Lause, 1973 in Bochum geboren, lebt in Hamburg. Lause ist ein Sammler: Plattgedrückte Coladosen, Klebebildchen fürs Poesiealbum, bunte Plastikmonster, alte Familienfotografien, Geweihe, Comicbilder, Zeitungsausschnitte und andere scheinbar belanglose Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens bewahrt er in Kistchen, in Alben und Vitrinen sorgsam auf. Sie sind die Grundlagen für die skurrile, schräge Bilderwelt des Hamburger Künstlers. Elmar Lause mag es, das Gewohnte zu manipulieren, dem Bekannten etwas Unerwartetes, Überraschendes zu entlocken.  Er arbeitet gerne mit Versatzstücken unterschiedlicher Bildwelten: Comic und Werbung, Kunst und Kitsch, Videospiele und Graffiti. In seiner Malerei, seinen Collagen, Fotoübermalungen und Skulpturen überlagern sich diese unterschiedlichen Elemente unserer Wirklichkeit und verbinden sich zu fantastisch-verrückten Inszenierungen. Elmar Lauses Bilder und Collagen stecken voller Überraschungen, Schrecken und Witz. Lause hat Malerei bei Dieter Glasmacher und Design bei Welfhard Kraiker studiert.

Jörn Stahlschmidt, 1975 in Hamburg geboren, lebt in Hamburg. Stahlschmidt malträtiert nicht nur sein Publikum, sondern immer wieder auch sich selbst. Warum tut er das? Ich denke an "La Noia", einen Roman von Alberto Moravia. Dort wird von einem Zustand der Langeweile gesprochen, die dem Protagonisten innewohnt. Er meint damit nicht das temporäre Gegenteil von Unterhaltung, sondern eine Art Ungenügen oder Unangemessenheit oder Spärlichkeit der Realität. Und er beschreibt sie an einer Stelle auch als eine „Krankheit der Gegenstände“: "Sie (die Gegenstände) verlieren plötzlich jede Vitalität, so, als sähe man in Sekunden eine Blume von der Knospe zum Verblühen und zum Staub übergehen.“ Aus dieser Wahrnehmung heraus beginnt der Protagonist sich und seine Liebhaberin bis zu seinem suizidalen Ende zu quälen.
Jörn Stahlschmidt entwickelt die Funktionen seiner Objekte aus der Form. Die für den Betrachter schmerzhafte Präsenz seiner Werke ist die Konsequenz einer inszenierten Skepsis dem Material und den Objekten gegenüber. Es ist auffällig, dass seine Werke immer von einer handwerklich hohen Präzision sind. Diese Handwerklichkeit ist dabei weniger in Materialverliebtheit begründet, als vielmehr eben auch ein Ausdruck dieser sich selbst auferlegten Konsequenz. Der Humor ist zwangsläufig ein sarkastischer. Denn die Haltung, die aus den hochästhetischen Werken spricht, hat keinen direkten Adressaten, sondern richtet sich gegen sich selbst. Das erst macht sie für den Betrachter so unerträglich und das ist zugleich ihre Qualität."
Text: Tim Voss