Gumsenplü

Patrick Farzar / Björn Holzweg /
Nils Kasiske / Nils Knott

Vom 05. bis zum 26. Oktober 2013 zeigt Feinkunst Krüger eine kombinierte Skulpturen / Bilder Ausstellung von vier Künstlern die, bis auf Patrick Farzar, alle zum ersten Mal in der Galerie zu sehen sind.

Zur Vernissage am Samstag, den 05. Oktober 2013 ab 20.00 Uhr laden wir herzlich ein.

Die Idee einer Skulpturen Ausstellung befand sich schon seit geraumer Zeit im Kopf des Galeristen und auch die beiden Hamburger Künstler Björn Holzweg und Nils Kasiske hatte er seit längerem im Visier und auf der Liste für eine Ausstellung. Beide sind akribisch und sehr fein arbeitende Künstler, die sich im weitesten Sinne im Feld der Street Art Kultur bewegten, und dort ihre Ursprünge haben. Nun musste zu diesen feinen Arbeiten ein etwas „schmutziger, trashiger“ Gegenpart gefunden werden. Dieses gelang dann, mit dem seit langem vom Galeristen sehr geschätzten, Nils Knott und dem Feinkunst Krüger Haus- und Hofkünstler Patrick Farzar sehr schnell.

Als die Besetzung feststand wurden alle vier Künstler in einen Kleinbus geladen und flugs nach Gumsenplü transportiert, um dort für einige Monate, in totaler Abgeschiedenheit und ohne Ablenkung, untergebracht und zur Arbeit gezwungen zu werden. Heraus kam eine sich aufs wundervollste ergänzende Ausstellung, in welcher die Skulpturen die Vormachstellung gegenüber den Bildern an der Wand behaupten.
Akribisch gearbeiteten Werken von Holzweg und Kasiske stehen hier dreckigen, aber vermeintlich nutzvollen, Werken Farzars und dunklen Prozessionen merkwürdigst zusammengestellter Figuren von Knott gegenüber. Dazu finden sich Werke starker Farbigkeit an der Wand. Nun ist es am Betrachter zu entscheiden ob sich der Aufwand und die Schinderei der strapaziösen Wochen in Gumsenplü wirklich gelohnt haben.

Hier nun die Künstler in ihren eigenen Worten:

Patrick Farzars Keramik und Steingut Skulpturen verstehen sich weniger als Ergänzung seiner Bildwelt, sondern vielmehr als gleichberechtigte, freie Mitarbeiter. Die Vasen, Objekte und Figuren, die er in unregelmäßigen Arbeitsschüben auswirft, bilden unsere Welt auf andere, verschlüsselte Weise ab und entziehen sich allzu einfachen Deutungsversuchen. Der Künstler, grundsätzlich behaftet mit dem schlechten Gewissen des Produzenten, scheinbar unbrauchbarer Luxusgüter, entschied sich erneut, seinen Objekten den Anschein des Brauchbaren zu geben, er töpferte Gefäße, die bei nicht Gefallen wenigstens noch als Vase herhalten können. Diese "Nutzskulpturen" können immerhin Flüssigkeiten bewahren.
Wer sich auf die neu entstandenen Gesichter, Fratzen und Formen einlässt, wird nicht zuletzt den Eingang zur Wahrnehmung des Künstlers finden. Nicht durch einen kleinen Raum in einem Zwischenstockwerk im Ohr, sondern durch die bemalte und glasierte Oberfläche seiner neuesten Geschöpfe. Zusätzlich zeigt Farzar zum ersten Mal neue Wandarbeiten, die ebenfalls eines gewissen Nutzeffektes nicht entbehren.


Die aus Keramiplast gefertigten Skulpturen des Künstlers Björn Holzweg folgen einem naturalistischem Ansatz, lassen aber auch die Wurzeln des künstlerischen Schaffens im Bereich des Comics klar erkennen. Die Haltungen und Darstellung der gezeigten Skulpturen spielen klar mit einer eleganten Form der Übertreibung. Sie zeigen Tiere in kämpferischen Posen und Menschen zwischen Zweifel und Zuversicht.

Die glatt gearbeiteten Oberflächen werden durch ihre farbliche Gestaltung aufgebrochen. Zu finden sind bunte grafische Muster sowie Farbverläufe, welche an Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera erinnern. Die Vielzahl der verwendeten Farben suggeriert eine Vielzahl an Standpunkten des Betrachters und lässt einen beachtlichen Spielraum an Interpretationen zu. In Bezug auf die Arbeiten die den Arabischen Frühling und die jüngsten Geschehnisse in der Türkei beleuchten wird verdeutlicht, dass es mehrere Perspektiven gibt. Diese Perspektiven sind fernab der medialen Position aus der wir unser Wissen ziehen zu suchen und zu finden. Um die Schwere aus diesem kritischem Betrachtungswinkel zu nehmen, begleitet die Skulpturen ein ironischer Unterton der oft erst auf den zweiten Blick erkennbar ist.


Nils Kasiske arbeitet seit über 10 Jahren als freier Illustrator und Künstler. Er studierte Literaturwissenschaften und Medienkultur in Hamburg und absolvierte 2009 ein Gastsemester am Frankfurter Städel in der Klasse von Christa Näher.
Kasiske arbeitet mit verschiedenen Techniken und Medien, von Holz bis Kunsstoff. In seinen Arbeiten setzt er sich vor allem mit Erscheinungen des Kommunikations- und Medienzeitalters auseinander. Seine Bilder und Skulpturen werfen einen zynischen Blick auf zeitgenössische Eventinszenierungen sowie Konsum- und Unterhaltungskultur. Trotz der sichtbaren Kritik daran, geht es ihm vor allem um die Widersprüche, denen unser tägliches Leben und Handeln zwischen dem Wissen über soziale Missstände und individuellen Wünschen oder ästhetischen Reizen ausgesetzt ist.
Zu seinem umfangreichen Zyklus “The Songbird’s Suicide” erschien 2009 ein Buch im Verlag Gudberg.


Nils Knott verläßt die Farben.
Keine Trendfarben nehmen Euch mehr in den Arm.
Beine finden sich noch und suchen weiter nach formschlüssigen Verbindungen.
Dazu kommt schwarzes Geschmier.
Das wirft ein neues Licht auf die Oberfläche.
Sowohl die Oberfläche der Figuren, als auch ihrer Welt kann vieles mehr ohne Farbe.
Ein großer Spaß in Schwarz . . . schimmert.

Ansonsten bleibt alles beim Alten.
Figuren aus Lindenholz geschnitzt und ihre Freunde aus Holz, gefundenen Teilen und Restposten zusammengesetzt.
Sie treffen sich in Gegenden, die genauso entstehen wie ihre Bewohner:
Aus den unterschiedlichsten Materialien und Zusammenhängen.
Diese Szenarien können lebensgroße oder auch Miniaturinstallationen sein.
Das Ganze wie ein Ausschnitt aus einem Comic.
Es gibt Unfälle, Verfolgungsjagden, Prozessionen, Flugobjekte, Maschinen und ähnliches.
Wie im richtigen Leben.

NK lebt und arbeitet.
Er hat keine anerkannte Ausbildung genossen.
Er freut sich auf Euch.


Falls sie weitere Fragen haben, digitales Bildmaterial oder ausführliche Vitae der Künstler benötigen, wenden sie sich bitte vertrauensvoll an den Galeristen. Danke!