LICHT AUS

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Achim Hoops und Alexander Rischer

Vom 05. bis zum 25. März 2017 sind die beiden Hamburger Künstler Achim Hoops und Alexander Rischer zu Gast bei Feinkunst Krüger. Die großformatigen Computerzeichnungen Hoops’ und die kleinformatigen, analogen Fotografien Rischers sind sich, trotz der Unterschiedlichkeit in ihrer Entstehung, unglaublich nah. Die Gegensätze in den Arbeiten, das urbane Umfeld bei Hoops und die landschaftliche Mystik in Rischers Fotografien, verschwinden nahezu und gehen ein gemeinsames Nebeneinander ein, welches beunruhigend und beruhigend zugleich wirkt.

Zur Vernissage am Samstag den 04. März 2017 ab 20.00 Uhr laden wir herzlich ein.

Wenn das Licht ausgeht, schärft sich der Blick. Schatten und Schemen nehmen Kontur an. Aus dem Dunkel steigen die Bilder auf. Sie gewinnen Gestalt in den Köpfen der Betrachterinnen, der Betrachter. Die Hamburger Künstler Achim Hoops und Alexander Rischer schöpfen aus den Zwielichtzonen der Erscheinungen. Beide sind in den toten Winkeln der Wirklichkeit unterwegs: an den Orten, an denen das Weiterschauen versperrt ist, an Wänden und Hindernissen abprallt oder im sich im Diffusen verliert. Der eine nimmt sich die urbanen Räume vor: Achim Hoops ist ein Maler der Zwischentöne, eines fragmentarischen metropolitanen Film noir, der sich zwischen Straßenschluchten und Hochhausfassaden abspielt. Alexander Rischer ist ein Fotograf der ländlichen Geheim-Nischen, der märchenhaften, sakralen, mythischen Restbestände, die hinter Geäst, bröckelndem Gemäuer und Dornenhecken schlummern: stille Bruchstücke einer verdeckten Geschichte, die – ebenso wie Hoops mysteriöse Stills einer Wirklichkeit im Fluss – die Zeit anhalten. Anhaltende Zeit, eine Zeit in der Schwebe. Während Hoops in seiner digitalen Malerei die Realität in mehrfach kodierter Ableitung vor Augen führt, kodiert Rischer in seinen analogen Fotografien die Wirklichkeit durch signifikante Verschiebungen ins Unkenntliche.

Hoops greift in seiner aktuellen Serie aus dem Nonstop-Flow nachrichtlicher Fernsehimages, die als „öffentliche Bilder unser Weltbild bestimmen“, mit der Kamera Momente heraus, die er am Bildschirm in digitale Malerei überträgt und im Format von Werbeplakaten auf Außenraum-tauglichen PVC-Folien zurück in die haptische Wirklichkeit speist. Zu sehen sind menschenleere Schauplätze, an denen sich die Ruhe vor oder nach dem Sturm ausbreitet, die bekannt und doch gänzlich fremd erscheinen und die den Blick im Sfumato weichender Wirklichkeit abfangen. Hoops’ städtische Fragmente und Interieurs oszillieren zwischen Fläche und Bildraum, in denen man sich verlieren kann. Rischers filigrane fotografische Aufnahmen einer scheinbar objektiven Realität gestatten den Reisenden kaum weniger Halt, denn diese verfangen sich im Dickicht und im Mauerwerk, das die Aufmerksamkeit auf das lenkt, was hinter oder auch neben dem Fokussierten liegen mag: dem, was gerade eben entzogen ist, splitterhaft aufscheint, oder jenseits des Gezeigten im Verborgenen liegt. Beide Künstler stellen die Frage nach dem, was die Bilder gerade im Umlenken und Aufhalten des Blicks zu offenbaren vermögen. Beide arbeiten im nächtlichen Schwarz-Weiß, das die Farben des Tages, des Lichts, in sich birgt wie ein Versprechen. Bei beiden geht es auch um das Erfassen von Zeit. Wir sehen auf die Gegenwart der Bilder, in denen sich Vergangenheit und Zukunft verschränken. In der Absenz des Lichts scheint dessen Wesen auf und nimmt in den Reflexionen der Betrachtenden Gestalt an.       

Belinda Grace Gardner