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Ladies' Night

Katharina Arndt - Alexandra Baumgartner - Kathrin Günter - Sandra Schlipkoeter - Tanja Selzer - Sandra Zuanovic

Vom 04. bis zum 24. Juni 2017 machen sich sechs Berliner Damen in Ralf Krügers Mackergalerie breit und zeigen dem ignoranten Galeristen wie es wirklich geht.

,,Ladies‘ Night''

Die Ladies‘ Night ist heute eine Zusammenrottung von Single-Frauen, die sich zu einem Glas billigem Prosecco in einer abgehalfterten After Work Lounge treffen, im Kollektiv den Hammer bei einem nächtlichen Heimwerkerinnen-Workshop im Baumarkt schwingen oder sich im Lingerie-Store gegenseitig pushen, ihr Geld für Reizwäsche auszugeben, die sich anschließend auf immer und ewig in die schwarzen Löcher ihrer Kommoden verabschiedet. Doch werden wir nostalgisch und gehen zurück in die Zeit, als die groovigen Beats von Kool and the Gang die DJ-Sets bestimmten, farbenfroher Satin auf gebräunter Haut flatterte, pralle Lippen von nass glänzendem Gloss überzogen waren und es eine Selbstverständlichkeit war, die ersehnte Samstagnacht mit bedingungsloser Freude durchzutanzen... oh yeah, it's Ladies‘ Night... 

Mit diesen hedonistischen Vibes spielen die Künstlerinnen Kathrina Arndt, Alexandra Baumgartner, Kathrin Günter, Sandra Schlipköter, Tanja Selzer und Sandra Zuanovic. Und der erste Blick in die Ausstellung verführt mit der atmosphärischen Dichte einer verheißungsvollen Clubnacht.

Die ornamenthaften Zeichnungen von Sandra Zuanovic erinnern an farbenprächtige Reflektionen einer Diskokugel und tanzende Lichter der nächtlichen Großstadt. Perfekt inszenierte Accessoire-Items zeigen die Fotoarbeiten von Kathrin Günter und spiegeln die luxuriöse Eleganz der Hochglanzmagazine wider.

Das opulente Crossover verschiedener Medien und Genres berauscht mit Figuren in Leoparden-Hotpants, leuchtenden Slogans, Neon-Farben und Celebrity-Headlines - Glitter und Glamour wird zu knallbunten Mädchen-Fantasien, untermalt von einem imaginären Chartbreaker-Sound.

Doch bei genauerer Betrachtung gerät das ,,Girls just wanna have fun''-Gefüge aus dem vertrauten Pop-Rhythmus. Refrain-Passagen werden brutal beschnitten und zu einer  grotesken Melodie. Die sechs Künstlerinnen konturieren in ihren Werken ganz bewusst das Frauenbild in der Popkultur und in der heutigen infantilisierten Konsum-Gesellschaft, die das Interesse verloren hat, selbstständig denkende Persönlichkeiten hervorzubringen. Die Arbeiten zeigen das Spiel mit Oberflächen im metaphorischen Sinne und erzählen von glamourösen Fassaden, in denen sich Imperfektion und Verfallsymptome immer stärker abzeichnen.

Die Bewegungen der attraktiven Protagonistinnen in den Bildern der Malerin Tanja Selzer sind nicht deutlich zu entziffern; ist es ein ekstatisches Tanzen oder ein hilfloses Taumeln? Die Blicke sind erotisch aufgeladen und zugleich geht von ihnen eine verstörende Leere aus. Die zum Teil abstrakten und fragmentarischen Hintergründe von Selzers Gemälden scheinen die Arme auszubreiten, um die Figuren zu verschlingen.

Katharina Arndt zeigt unter anderem Werke aus ihrer Serie ,,Fay Dunaway on Mondays''. Auf schwarz gelacktem Untergrund zeichnet sie mit weißen Linien gewaltbereite, rauchende und trinkende Film-Ikonen, die durch ihre maskuline  Attitüde, ein stattliches Repertoire an Waffen und einen ausgeprägten Hang zur Gewalt ihre erotische Wirkung potenzieren.

Das Fehlerhafte in Perfektion darzustellen schafft Sandra Schlipköter mit ihren großformatigen Ölgemälden, auf denen sie Störungen und Abweichungen auf Computermonitoren darstellt. Interferenzen wie Moiré-Effekte oder Kompressionsartefakte verstärkt sie durch ihre Reproduktionen und hält sie anschließend malerisch auf der Leinwand fest.

Alexandra Baumgartner eröffnet dem Betrachter unerwartete Dimensionen, indem sie Objekte Medien wie Fotografie oder Malerei gegenüberstellt. Diese verblüffenden Anordnungen zeugen von ihrem Sinn für das Mystische und Surreale. Eine antike Schneiderpuppe steht dem Raum zugewandt, daneben hängt eine Fotografie der Rückseite der Puppe mit einem Loch im Zentrum des Rückens, welches auf eine verräterische Leere deutet und zugleich eine gewisse Ironie nicht leugnen kann.

Die Werke der Ausstellung entfachen visuelle Rauschzustände, und die sechs  Künstlerinnen beherrschen die Dosierung für ein ambivalentes Wirkungsspektrum meisterhaft. Aufrichtigkeit und Anmut vermischen sich mit dekadentem Konsum und trügerischen Scheinbildern zu einem bittersüßen Cocktail, der eine traurige Sattheit hinterlässt …, man kann es dennoch nicht lassen, sich einen weiteren zu bestellen.

Oh yeah, it's ,,Ladies’ Night'' and the feeling’s right….

DO YOU REALLY FEEL ALRIGHT?

 

Text: Michaela Kühn