lose haare in meiner hand

Paule Hammer und Stefan Vogel
in einer Architektur von Simon Hehemann

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Ich liege in der Badewanne und harke mit meinen Fingern durch die Landschaft auf meiner Brust. Jedes mal, wenn ich das tue, finden sich lose Haare in meiner Hand. Ich tauche meine Hand in das Wasser und die Haare gehen unter. Ich wiederhole diesen Vorgang, bis sich keine Haare mehr zwischen meinen Fingern finden. Dann ist das Wasser kalt. Ich lasse das Wasser raus und sehe die Haare am Wannenboden liegen. Mein Auge fällt auf den Rand und klebt dort. Gleichzeitig bildet sich ein gelblicher Schaum in meiner Augenhöhle und im Abfluss. Meine Augen sind nun mit Kronkorken verschlossen ich kann aber dennoch sehen, nur schwarz weiß. Die zähe Flüssigkeit aus dem Abfluss legt sich langsam über die Haare und über meine Füße. Sie fühlt sich angenehm kühl an. Ein Handtuch fällt hinein und formt die Topografie einer Landschaft. Ich vermute es sei das Paradies. Die Haare liegen nun in dieser Landschaft und an deren Enden stehen an kleinen Zetteln alle in meinem Leben bisher getroffenen Entscheid- ungen handschriftlich notiert. Nun wird mir klar dass es nicht das Paradies sein kann und ich steige aus der Wanne.

Finissage am Donnerstag den 24. Oktober von 18.00 bis 21.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 06.10. – 24.10.19

Nach einigen Jahren gibt es wieder eine gemeinsame Ausstellung von Hehemann und Vogel in der Galerie Feinkunst Krüger. Jedenfalls fast. Hehemann hat im September seine wegweisende Installation schon gezeigt und die Architektur bleibt bestehen um den Raum und Rahmen zu bilden für die Bilder von Paule Hammer und Stefan Vogel und auch einige neue Arbeiten von Simon Hehemann. Diese neuen Arbeiten werden den Raum noch einmal verändern und man darf gespannt sein wie sie sich in die Architektur einfügen werden.

Paule Hammer wird Bilder aus seinem sich beständig ausweitenden Konvolut Weltenzyklopädie  zeigen. Es enthält tagebuchartige Aufzeichnungen,  Überlegungen zum privaten und globalen Geschehen, zugespitzt durch Fiktionen, sowie Interviews. Die Bilder der Weltenzyklopädie funktionieren manchmal wie Sammelbehälter, manchmal wie Mindmaps. Hammer beginnt mit der Arbeit an ihnen aus dem Interesse an einem bestimmten Thema oder Themenkomplex heraus. Sie brauchen lange, um zu wachsen, denn bestimmte Aspekte oder neue Gedanken müssen ihm erst begegnen bzw. tauchen erst auf, wenn Vorhergehendes gemalt oder geschrieben, neu überschaut und angezweifelt worden ist.

Stefan Vogel führt Zeichnen, Schreiben und Formen zu einer dichten Einheit. Seine Sprachbilder sind dabei vom Einfluss konkreter Poesie geprägt. In oft mehrteiligen Wandarbeiten und raumfüllenden Installationen verwebt er Organisches und Künstliches zu fragilen Beziehungsgeflechten. Wie ein Kartograph verortet er Pfade, Höhen und Tiefen des auszuweisenden Geländes. Etwas liegt still – doch im Inneren kristallisiert sich Unruhe. Chaos und Ordnung, so wie Leid und Gedeihen, entspringen der gleichen Möglichkeit. Nur Zeit und Logik ändern sich, immer wieder und aufs Neue. Die spezifische Material- und Farbästhetik der Werke Vogels basiert auf der Verwendung von Alltagsobjekten, Naturmaterialien und Baustoffen. Unter rhythmischer Wiederholung wesentlicher Elemente von Form, Farbe und Substanz beflügeln Zerfall und Zufall die Anarchie der Dinge und Worte. Auf der einen Seite Wuchern, auf der anderen Seite Struktur, Konzentration und Reduktion. Mithilfe dieses komplementären Prinzips arbeitet Vogel an einem visuellen Äquivalent komplexer Verhältnisse. Die Werke lassen sich so als Projektions -flächen für unlösbare Konflikte innerer Befindlichkeiten, für wiederkehrende Mechanismen in gesellschaftlichen oder familiären Konstellationen und für zwischenmenschliches Kommunikationsverhalten lesen. Text: Anka Ziefer