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Zumba, Zen und Zuckerwatte

Philip Grözinger – Thomas Judisch – Fee Kleiß – Paul Pretzer

Vom 09. bis zum 29. Oktober 2022 täuschen die 4 Künstler/innen Philip Grözinger, Thomas Judisch Fee Kleiß und Paul Pretzer, unsere Augen mit Malereien und Objekten die nicht das sind was sie zu sein scheinen. Surreale Szenen und Objekte, Malerei die das Böse unter dem Guten versteckt und Trompe-l’oeils Objekte werden den Betrachter in einer vermeintlichen Sicherheit wiegen um ihn bei längerer Betrachtung die Wahrheit erkennen zu lassen.

Zur Vernissage am Samstag den 08. Oktober ab 20:00Uhr laden wir herzlich ein.

Die Ausstellung „Zumba, Zen & Zuckerwatte“ vereint 4 Künstlerinnen und Künstler, die in den Medien Malerei und Bildhauerei arbeiten und eine Vorliebe für das Humorvolle und Absurde haben.  Es ist ein Spagat zwischen Tiefsinn und Unsinn, der zu einer sportiven Auseinandersetzung auffordert und den Betrachter anrührt und zu einer emotionalen Stellungnahme bewegt.  Diese Ausstellung ist Kirmes und Kathedrale in einem. Lasst euch berühren und berauschen!

Philip Grözinger
Lustige Planeten, bunte Blumen und groteske Wesen bevölkern die Gemälde von Philip Grözinger. Vordergründig sind es fröhliche Szenerien, wäre das vermeintliche Paradies nicht unter der Oberfläche ernst, düster oder hochexplosiv wie der bunte Knall, den der lächelnde Cowboy aus seinem Revolver abfeuert – Ende ungewiss, aber ebenso der Anfang: Wie lässt sich der maskierte kleine Mann chronologisch ins Geschehen einfügen? In anderen Werken fahren eigenwillige Maschinen, Konstruktionen und Spielobjekte Achterbahn durchs Himmelstor in die Freiheit, wo sie weder physikalischen Einschränkungen unterliegen noch einer Zweckgebundenheit. Philip Grözinger nennt das im rheinländisch- bergischen Slang „knüren“, was soviel heißt wie zum Vergnügen basteln, sinnfrei, zeitlos, mit Genuss, aber nicht ohne Verstand. Mag seine Bild- und Formensprache kindlich wirken, so zitieren die Szenen in ihrer Komposition und ihren Staffagefiguren große Vorbilder wie Caspar David Friedrich, Böcklin oder Carus. Mitunter schwimmt Grözinger selbst in seinen Utopien augenzwinkernd mit, um die menschlichen Unzulänglichkeiten spielerisch aufzulösen oder aus ihnen künstlich intelligente Wandbilder zu stricken. (Fresko)

Thomas Judisch lenkt unseren Blick auf die pralle Lebenswirklichkeit der ‚kleinen Preziosen’ des Alltags und gibt uns mit seinem Werk einen Schlüssel an die Hand, damit wir die Welt in ihrer ganzen beiläufigen Schönheit erfassen können. Seine Arbeiten, die er oft als Interventionen im Museumskontext gezeigt hat, kann man mit einem Augenzwinkern betrachten, denn der Künstler pflegt einen spielerischen, ironischen Umgang mit dem Material. Nichts ist bei ihm, wie es scheint. Gekonnt spielt er auf der Klaviatur der Augentäuschungen und des Trompe-l’oeils und lädt zu einem Parcours durch unseren Alltag ein.

Fee Kleiß bearbeitet gegenwärtig die Überreste der jüngsten Geschichte: Sie arbeitet experimentell, dekonstruktiv, fast archäologisch an der Freilegung eines unübersichtlichen Netzes an Verbindungen zwischen gewachsenen und kulturell produzierten Gegenständen: Sie zerlegt, transformiert und stellt neue Zusammenhänge her, bis die Dinge ihre Bedeutung verlieren und zu etwas Neuem verschmelzen. Sie betreibt den Rückbau von Abfallprodukten aus der industriellen Massenproduktion zu künstlichen Naturmodellen. Es entstehen komplexe, an Landschaften erinnernde Gebilde, wobei die ursprüngliche Funktion der verwendeten Gegenstände nur sporadisch aufblitzt: hier eine Zahnbürste, dort ein Lorbeerblatt, ein See aus Kaffeebohnen neben dem eine einzelne Rosine handflächenfüllend auf einer winzigen Plastikhand liegt.

Paul Pretzers Malerei basiert auf zwei wesentlichen Säulen. Das sind die Farbe und die Form (Komposition). Darauf ruht der ganze Bildaufbau. Denn ein guter Inhalt ohne Form bleibt stets Illustration und wird niemals Malerei. Der Inhalt oder das Thema des Bildes umspielt diese beiden tragenden Säulen als Ornament und ist der Träger der Bildstimmung. Seine Bildideen, die ihren Ursprung oft in der Kunstgeschichte haben, beginnen bei kleinen Zeichnungen und Skizzen, die er in einem Skizzenbuch sammelt und so lange überarbeitet und modifiziert bis er sie als bildwürdig erachtet.
Wenn der Malprozess einsetzt und die Farbe hinzukommt, ändert sich oft noch vieles. Farbliche und formale Entscheidungen gehen dann ihren eigenen Weg und bringen oft für ihn selbst neue überraschende Inhalte mit sich. Die Bildinhalte sind im Vorfeld zwar grob durch die Skizze umrissen, wachsen aber so im Verlauf des Malens manchmal zu ganz neuen und unerwarteten Ausmaßen heran. Es geht Pretzer dabei in erster Linie um das Schaffen von ambivalenten Stimmungen; wobei sich diese dem Betrachter nicht selbst erklären. Viel eher sollen seine Bilder als Resonanzräume für das geistige Innenleben des Betrachters dienen.
Es geht dabei darum den Betrachter emotional anzurühren und ihn aktiv in den Bildbetrachtungsprozess einzubeziehen. Ein Pendeln etwa zwischen Tragik und Komik, schockierend und berührend und anderen im Grunde gegensätzlichen Stimmungen ist dabei ein erklärtes Ziel. Aus diesem Schwebezustand heraus in der eine Stimmung oder ein Gefühl von einem zum anderen kippt, erwächst die Kraft seiner Bilder.
Pretzers Bildpersonal trägt die ganze Gefühlspalette von Schmerz bis Freude in sich und lebt in einer Parallelwelt, die es wie in einer Fabel ermöglicht, alltägliche Thematiken aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Dadurch wirken die Dargestellten einem oft auf eine sonderbare Weise vertraut und es ist einfach einen Zugang zu einem der Bild zu bekommen.
Wichtig ist Pretzer auch das Spiel mit Erwartungshaltungen gegenüber museal anmutender altmeisterlicher Malerei und die Veredlung der allgegenwärtigen Popkultur. In seinen Bildern gibt es oft eine Diskrepanz zwischen dem Dargestelltem und dem wie es dargestellt ist. Aus diesem Irritationsmoment entsteht die Spannung von der seine Malerei lebt. Zu guter Letzt soll noch auf die Titel der Werke eingegangen werden. Diese erweitern das Interpretationsspektrum, führen auf die falsche Fährte oder lassen einen an der eigenen Version zweifeln. Manchmal haben sie einen angenehmen Klang wie etwa ein kleines Gedichtchen, suggerieren Humor, wo keiner ist oder betonen die Ernsthaftigkeit einer heiteren Szenerie. Ein guter Bildtitel rundet das Bild ab und gibt ihm eine zusätzliche Note.

Die Vitae der Künstler/innen senden wir auf Anfrage gerne zu.

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