come a little closer

Stefan Rinck, Tanja Selzer, Markus Willeke

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Vom 06. bis zum 26. Januar 2019 zeigen die drei Berliner Künstler/innen Stefan Rinck, Tanja Selzer, und Markus Willeke neue Arbeiten. Tanja Selzer, Künstlerin bei Feinkunst Krüger, bat ihre beiden Künstlerkollegen sie auf diese Ausstellung zu begleiten und die ließen sich nicht zweimal bitten.

Zur Vernissage am Samstag den 05. Januar 2019 ab 20.00 Uhr laden wir herzlich ein. 

„come a little closer“, das klingt ja schon wie eine Einladung (oder wie ein guter Songtitel) und genau das soll es auch sein. Ein Anreiz, die Kunstwerke genauer zu betrachten und sich ihnen zu nähern.

Aber: Alles hier ist dann doch nicht so wie es scheint, der nette und friedliche Anschein wird durchbrochen von Gemeinheiten und durchtriebenen Ideen und Vorbildern. Die süßen in Stein gemeißelten Skulpturen von Stefan Rinck, haben einen doppelten Boden, sie sind wild und unberechenbar. Die von Tanja Selzer in impressionistischer Anmutung und in idyllischer Natur gemalten „Nudes“ sind Szenen aus roughen Pornofilmen und alles andere als harmlos. Der stylische Anorak von Markus Willeke ist nur auf den ersten Blick von der Stange, er wirkt seltsam belebt und trägt dabei den Titel „Geist“.

Alle drei Künstler wenden traditionelle Techniken für ihre Werke an, sie verbinden geschickt das Handwerk der Bildhauerei und der Malerei mit der Kunstgeschichte. Mit allem Alten im Schlepptau widmen sie sich dann der Popkultur und der modernen Kunstgeschichte und lassen in ihren Werken sowohl das Erhabene im Profanen als auch das Profane im Erhabenen erkennen.

“Kolonisten der Welt, wir wollen von allen sprechen: den Bestien, den Toten, den Statuen”; und gut, die Statuen von Stefan Rinck sind stumm. Sie haben Münder die nicht sprechen; sie haben Augen, die uns nicht sehen. “Es sind keine Idole, eher Spielzeuge; todernste Spielzeuge die aber nicht bedeuten wollen, was sie abbilden. Es ist weniger Götzenverehrung wie bei unseren ewigen Heiligenstatuen. Niemand himmelt diese gestrengen Püppchen an. “Die Statuen von Stefan Rinck sind nicht der Gott, sondern das Gebet. Gebete des Künstlers, offen für die Welt, den Körper, die Frauen und den Lebensgenuss. Die Statuen des Künstlers sind wild und formal sowie materiell mit dem Boden verbunden.
Text: Tiphanie Dragaut Lupescu

Tanja Selzers Figuren stammen aus Pornofilmen, erzählen von Nacktheit, Leidenschaft, Wildheit und Lust. Durch die Verortung in der freien Natur bekommen die Szenerien etwas Ursprüngliches. Erst auf den zweiten Blick entpuppen sich die entfesselten Szenen als gestellt und unnatürlich. Und dennoch finden sich in dieser eigentlich unfreiwilli- gen, gespielten Lust auch Momente der echten Hingabe und der Versonnenheit. Selzers Malerei ist im Gegensatz zur Thematik zart und leicht, nahezu aquarellesk und lichtdurchdrungen.
Text: Kirsten Leuenroth

Dislocation - Markus Willeke hat in seiner fluiden Malerei ein besonderes Sensorium für das Einfangen des Flüchtigen und des Entschwindens des Augenblicks entwickelt. Unsere Welt besteht ja immer weniger aus stabilen Objekten und Ordnungen, die konstant an ihrem Ort bleiben. Nicht nur die Mobilität, auch die allgemeine Änderung der Verhältnisse nimmt zu. Wir bevölkern unser Universum zusätzlich mit immer mehr Ereignissen, die in unserer Realität kaum noch eine Dauer haben, die auf schnelle Vergänglichkeit angelegt sind und die nur in unserer Erinnerung als intensive Eindrücke nachwirken. So kann es dazu kommen, dass die Realität selbst unsichtbar wird und nur ein flüchtiges Bild ihre Eindrücklichkeit für uns trägt: Die Virtualität wird mächtiger als die Realität, das nicht Existente eindrücklicher als die reale Person an einem realen Ort.
Text: Rolf Hengesbach