Enklaven

 

Inga Kählke, Gosia Machon, Gabriela Jolowicz und moki

Die Hamburger und Berliner Künstlerinnen Inga Kählke, Gosia Machon, Gabriela Jolowicz und moki präsentieren vom 07. bis zum 27. Oktober gemeinsam die Ausstellung 'Enklaven' bei Feinkunst Krüger. Die Gruppe zeigt vorrangig Malereien und Holzschnitte. Zur Eröffnung wird eine Publikation mit Collagen und Bildern sowie einem Text der Künstlerin Lily Wittenburg zum Thema erscheinen.

Zur Vernissage am Samstag den 06. Oktober 2018 ab 20.00 Uhr laden wir herzlich ein.

Eine Enklave ist definierter, begrenzter Raum. Es kann Ort der Zuflucht und Sicherheit, aber auch Ort der Ausgrenzung und Einsamkeit sein. Innen und außen werden durch die Grenzlinie gebildet und erzeugen eine Verkapselung, einen Einschluss. Die Ambivalenz, die sich hierdurch ergibt, kann als Auseinandersetzung mit der Idee der Grenzen im allgemeinen ausgelegt werden. 

Die Künstlerinnen nähern sich sowohl formal als auch inhaltlich dem übergreifenden Begriff der Enklave an:
In den Bildern von Inga Kählke sind häufig tierliche Figuren oder Mensch-Tier-Begegnungen zu finden, die auf verschiedene Weise ihrer Umgebung ausgeliefert oder von ihr geschützt sind: Die Porträtansicht eines Hundes, der sich hinter Lasuren förmlich auflöst, Hund und Mensch, die gemeinsam aus einem Hochwassergebiet fliehen, oder aber als Tiere verkleidete Menschen oder vermummte Personen, die sich so von ihrer Außenwelt separieren. Motivisch thematisiert sie damit das ambivalente, jedoch meist von einseitigen Herrschaftsmechanismen gekennzeichnete, Mensch-Tier-Verhältnis und setzt dessen Widersprüchen ein gleichrangiges Verständnis von Menschen und anderen Tieren entgegen, welches auch die Art und Weise tierlicher Repräsentation prägt: Die jeweiligen Tiere sind keine metaphorischen Figuren, sondern werden als sie selbst thematisiert. Sie begreift die Bildfläche als ein Milieu, in dem sich alle daran Beteiligten, menschliche und nichtmenschliche Akteure wie auch ihr Umraum, wechselseitig bedingen und beeinflussen und verweist damit auf vielfältige Vernetzungen außerhalb der Leinwand.

In Gosia Machons narrativ-abstrakten Malereien finden sich Landschaften und Figuren, die sich von der Realität abgrenzen. Die Wildnis, die einem hier begegnet, bezieht sich auf Pflanze wie Mensch. Gewissheiten lösen sich auf, alles kehrt in seinen Naturzustand zurück. Die dargestellten Naturräume dienen der Möglichkeit des Rückzugs: in persönliche Enklaven, in Erinnerungen, Verwirrungen und Utopien.

Die Holzschnitte der Serie Megabillig II von Gabriela Jolowicz zeigen den Augenblick, in dem ihre Protagonisten sich in Ferienwohnungen, Hinterzimmern von Gallerien oder auf Privatpartys treffen. Nach dem Event löst sich auch die Gruppe voneinander und verlässt den Ort des Geschehens. Auch die Gruppenausstellung selbst bildet in diesem Sinne eine Enklave; die Künstlerinnen stellen ihre Arbeiten temporär in Bezug zueinander. Gabriela Jolowiczs größere Holzschnittarbeiten zeigen komplexere Collagen der Gegenwart. Basierend auf Schnappschüssen der Wirklichkeit lassen sie der Erzählfreude freien Lauf: das Badewasser ist zugleich Ozean, Navigationselemente aus Grand Theft Auto dekorieren das Gruppenbild, ein Ehepaar wird zur Miniatur auf ihrem eigenen Wohnzimmer-Sideboard. 

Moki zeigt großformatige Acrylmalereien, in denen zum Beispiel ein wuchernder Dachgarten, wie eine Oase inmitten einer Großstadt thront oder ein liebevoll gepflegtes Kürbisbeet in einem Bombenkrater. Portraits von Menschen, die eingewickelt in ihre Kleidung sich innere Enklaven schaffen, einsinken in dicke weiche Matten, die sie zu Verschlucken scheinen. Inseln der Ruhe entstehen, wie in der Malerei eines Picknicks, inmitten eines weiten Feldes. Moki kontrastiert diese Idyllen mit Darstellungen, die auf den ersten Blick unpassend erscheinen, wie der eines Kabelgewimmels das zu Mobiltelefonen führt oder der eines Käuls aus Fell und Haut das keinen Aufschluss über seine Identität gibt.

Die Publikation zeigt eine kleine Auswahl von Collagen. Hierbei handelt es sich um Gemeinschaftsarbeiten, für die alle vier Künstlerinnen ihren jeweils riesigen Fundus an Bildvorlagen geöffnet haben, um zusammen neue, interessante Kombinationsmöglichkeiten zu finden und einen visuellen Dialog miteinander einzugehen.