Marco Wagner und Eiko Borcherding

Vom 07. bis zum 28. Juli zeigen der Würzburger Künstler Marco Wagner und der Hamburger Künstler Eiko Borcherding, in der ersten "Shared Solo Show" in den neuen Räumen, gemeinsam neue Arbeiten aus den Bereichen Zeichnung und Malerei.

Zur Vernissage am Freitag, den 06. Juli 2012 ab 20.00 Uhr, laden wir herzlich ein.

>> Bilder der Ausstellung

Obwohl beide Künstler einen sehr eigenen Stil entwickelt haben, erstaunt es, wie gut ihre Arbeiten zusammen funktionieren. Vielleicht liegt es daran, das ihre Bilder auf den ersten Blick harmonisch wirken, fast altmodisch und vertraut und sich erst mit dem zweiten und dem dritten Blick die Abgründe und Gräuel offenbaren die sich in ihnen "verstecken".

Marco Wagner bearbeitet in seinen neuesten Werken den Begriff "Heimat". Die Erinnerungen an seine Kindheit sind zugleich beruhigend wie verstörend. Aufgewachsen in einem kleinen fränkischen Dorf prägen Bilder von Bauern, Feldarbeit und üppiger Natur seine Alltagsatmosphäre. Doch diese Idylle hat für Wagner auch einen widerlichen Beigeschmack. Die merkwürdigen Begegnungen mit seinen Verwandten, deren eigenartiger Geruch, ihrer komische Haut und die großen dicken Brillengläser lassen Erinnerungen aufkommen. Er kämpft in seinen Bildern mit diesen bleibenden Eindrücken die die Verletzlichkeit des Menschen in einem vermeintlich sicheren Umfeld zeigen. Tiere, Natur, Religion, Rituale und der Mensch wirken wie eine Bedrohung für sich selbst.
Aber trotz der oft starken und teilweise verstörenden Elemente wirken seine Bilder dabei meist sehr angenehm, sogar fast beruhigend. Dieses hat mit ihrer Farbigkeit und der Art und Weise, wie er die Farbe verwendet zu tun. Er arbeitet gerne schwarz/weiß mit nur geringen Farbanteilen, und versucht dabei relativ organische Farbe zu verwenden. Gemischt mit ein bisschen Dreck und Pinselwasser führen sie dann zum gewünschten Ergebnis. Wagner arbeitet bevorzugt mit verschiedenen Materialien und Techniken, er benutzt vorwiegend Acryl, Bleistift und diverse Zeichenstifte; aber auch Papierschnipsel werden immer wieder collagenhaft in seine Werke eingearbeitet.

Eiko Borcherding kratzt und schabt und ziseliert sich in seinen Zeichnungen an merkwürdige Naturteile heran. Er folgt akribisch Verästelungen, Blattwerk, schrundigen Oberflächen - oder seltsam symmetrisch gedoppelten Tierköpfen. Gerade in seinen neuesten Arbeiten tauchen diese gedoppelten Tierköpfe immer wieder auf, die er dem Rorschach Prinzip folgend zu Papier bringt. Diese wirken auf den ersten Blick fast niedlich und nur beim genaueren Hinsehen erkennt man die toten tierischen Einzelteile oder die gemeinen, tot bringenden Schnüre.
Ähnlich den großformatigen Zeichnungen Walton Fords in denen die Gemeinheiten oft auch erst auf den zweiten Blick ersichtlich werden. Eine zweite Gemeinsamkeit zu Fords Bildern ist die vermeintliche Nostalgie und Altmodischkeit in Borcherdings Bildern.
Verstärkt wird diese durch die Wahl traditioneller Materialien, von Bleistift und bereits benutztem Papier welches schon eine gewisse Patina besitzt. Dazu kommt sein Spiel mit dem Zufall und einem neugierigen Ausprobieren im Hier und Jetzt, welches sich mit einer technischen Souveränität verbindet die aus dem Studium der künstlerischen Welten Caravaggios, Rembrandts oder Egon Schieles angeregt zu sein scheint.