Henning Kles - "Use your Illusion I&II"

Vom 08. bis zum 29.Juni 2013 zeigt der Hamburger Künstler Henning Kles in seiner dritten Einzelausstellung bei Feinkunst Krüger neue Arbeiten. Zur Ausstellung erscheinen 2 Artzines im Hamburger X1 Editions Verlag, die den gleichen Titel tragen wie die Ausstellung. Dieser bezieht sich auf 2 parallel veröffentlichte Alben der 80er Jahre Hardrocker von Guns n'Roses.

Zur Vernissage am Samstag, den 08. Juni 2013 ab 20.00, laden wir herzlich ein.

Überschaut man das Werk des heute 42 jährigen Henning Kles, werden Kontinuitäten als auch Brüche im Spannungsfeld von Kunstmarktnähe und künstlerischem Selbstbehauptungswillen sichtbar. Während die noch etwa bis 2005 entstandenen romantisierend-verrätselten Fantasy – Bilder im facettenreichen Kielwasser der sog. Leipziger Schule entstanden, werden die Motive seitdem unmittelbarer, reduzierter, härter. In seinen jüngsten Arbeiten – nach Durchlaufen dieses Rückbindungsprozesses – beginnt Henning Kles Bitumen und Acryl durch das Übereinanderlegen von feinsten transparenten, Abstraktion und Figuration vereinigenden Farbschichten miteinander zu verbinden. Dem Prozess der Kontraktion folgt die Expansion, der Schritt in Richtung einer dunkel getönten, zugleich ins Lichte weisenden Weltaneignung.
Velten Wagner in "Der Himmel hatte die Farbe von kaltem Haferbrei" - Städtisches Museum Engen

Kles verwendet in der Werkserie der Halbportraits, seit langem wieder Farbe, ohne jedoch auf das vor ca. 5 Jahren für sich entdeckte und für die Malerei innovative Material Bitumen zu verzichten.
Er klebt Flächen ab und schafft somit gleichmäßig gestaltete Oberflächen, die er jedoch kleinteiligen Pinselstrichen gegenüberstellt. Die Wölfflinsche Dichotomie von Linear und Malerisch wird aufgehoben, und existiert in einem Bild.
Als Vorlage dienen dem Künstler, wie schon bei den frühen großformatigen Arbeiten, Motive aus den Massenmedien. Hier sind es jedoch weniger die Tagespolitischen oder gesellschaftlich relevanten Bilder, als viel mehr antiquierte, und skurrile Figuren, die Kles als Vorlagen verwendet, was nicht zuletzt mit dem Genre des Profilportraits zusammenhängt, das in der heutigen Bilderflut in Internet Fernsehen und Presse kaum zu finden ist. Kles muss also regelrecht auf die Suche gehen, nach Typen mit Hut, Schleier, Turban und Co. Und als ob ihm diese Grundlage nicht bizarr genug wäre, verunstaltet er diese noch bis zur Unkenntlichkeit. Er verlängert Nasen, entstellt Kinnpartien, Münder und Körperhaltung.
Es ist verwirrend – Man denkt an Portraits von Francis Bacon und Guiseppe Archimboldo zugleich. Wie geht das zusammen ohne angestrengt und albern zu wirken? Henning Kles weiß geschickt die Morbidität von Bacon, seine analysierende und somit typologisierende Malweise zu paaren mit der Lust am Spiel von Archimboldo. Wie der Maler des 16. Jahrhunderts verwendet Kles Versatzstücke, in seinem Falle jedoch nichts essbares, sondern unterschiedlich gestaltete Flächen und trägt diese zusammen. Es ist ein additives Prinzip, bei dem der Künstler wohl am Anfang eines Malprozesses selber kaum vorhersehen kann, wohin das endliche Ergebnis führt.                     
Agatha Klaus in "Verwirrende Fratzen auf gleichmäßigem Hintergrund"

In seinen neuen, hier erstmals gezeigten Werken geht Kles wieder einen Schritt "zurück" und gleichzeitig nach vorn. Er verwendet Versatzstücke der mittleren Phase, die voll verrätselter Gegenstände und Objekte war und mischt sie mit den portraithaften Menschenbildern der Letzten. Vielleicht auch um dann sogar wieder an die erste Phase seines Schaffens, die er nie ganz abgelegt hat, anzuknüpfen.
Nur eben mit ganz neuen Mitteln.